Biomethan Taskforce fordert nationale Biomethan-Strategie für Deutschland

Deutschland braucht eine nationale Biomethan-Strategie. Nur mit klaren Ausbauzielen, verlässlichen Investitionsbedingungen und gesicherten Absatzmärkten kann Biomethan vom Nischenmarkt zu einer tragenden Säule der Energiewende werden. Das fordert die Biomethan Taskforce in ihrem Positionspapier. Die Initiative zeigt darin, welche regulatorischen Weichen jetzt gestellt werden müssen – vom Energiewirtschaftsgesetz über das Erneuerbare-Energien-Gesetz bis zum Gebäudemodernisierungsgesetz.
Biomethan kann sich zu einem zentralen erneuerbaren Molekül für eine bezahlbare und sozialverträgliche Defossilisierung entwickeln – im Gebäudesektor, in der Industrie, bei Kraftwerken und im Schwerlastverkehr. Damit das erneuerbare Gas diese Rolle im Energiesystem übernehmen kann, brauchen Betreiber von Biomethan-Anlagen, Netzbetreiber und Abnehmer jedoch Planungssicherheit. Das zeigt das aktuelle Positionspapier der Biomethan Taskforce, mit dem die Initiative praxisnahe Rahmenbedingungen für den Markthochlauf von Biomethan skizziert.
Bei maßgeblichen Gesetzesvorhaben – darunter das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) – sieht die Initiative Raum für Weichenstellungen, um Biomethan in relevanten Sektoren zugänglich zu machen und somit die Energiewende schneller, resilienter und bezahlbarer zu gestalten.
Im Zuge der Umsetzung des EU-Gasbinnenmarktpaketes fordert die Initiative investitionsfreundliche Amortisationsfristen von 20 Jahren für den Anschluss von Biomethan-Anlagen sowie den Erhalt von Bestandsanlagen. Zugleich wird ein Transformations- und Ausgleichsmechanismus für Netzbetreiber benötigt, damit strategisch relevante Biomethan-Infrastruktur erhalten werden kann, ohne Transformationskosten einseitig bei einzelnen Akteuren abzuladen. Zudem spricht sich die Biomethan Taskforce für eine nationale Ausbaustrategie aus. „Gerade in der frühen Phase des Markthochlaufes braucht Biomethan klare Regeln, verlässliche Infrastrukturperspektiven und ein ambitioniertes Ausbauziel“, sagt Bengt Bergt, Sprecher der Biomethan Taskforce. „Um Biomethan zu stärken, müssen wir Investitionssicherheit für Anlagenbetreiber und faire Transformationsbedingungen für Netzbetreiber zusammendenken. Nur so kann klimaneutrale Gas-Infrastruktur erhalten und der Hochlauf erneuerbarer Moleküle beschleunigt werden.“
Mit Blick auf das EEG fordert die Initiative höhere Ausschreibungsvolumina und verbesserte Flexibilitätszuschläge für Biomethan. Ziel ist, Anreize für private Investitionen in Anlagen, Infrastruktur und flexible erneuerbare Kraftwerksleistung zu setzen. Das Positionspapier verweist darauf, dass die heimische Produktionskapazität von derzeit 10 TWh bis 2045 auf bis zu 331 TWh erhöht werden kann. Gesicherte Absatzmärkte sind dafür entscheidend. So sieht die Biomethan Taskforce im Gebäudesektor erheblichen Handlungsbedarf: Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz soll Biomethan dazu als gleichberechtigte Defossilisierungslösung neben Wärmepumpen und Fernwärme behandeln.
Daneben würde eine Grüngasquote dabei helfen, einen verlässlichen Nachfragepfad für erneuerbare Gase zu schaffen und Investitionen in zusätzliche Biomethan-Anlagen anzureizen. „Eine einseitige Elektrifizierung des Wärmemarktes wäre wirtschaftlich riskant und sozial belastend“, so Bergt. „Biomethan ermöglicht eine pragmatische Dekarbonisierung für Millionen Haushalte, die heute noch mit Gas heizen und absehbar nicht elektrifizieren können. Nach unseren Berechnungen werden auch 2045 noch etwa 5 Millionen Gas-Brennwertgeräte im Einsatz sein. Biomethan nutzt bestehende Infrastruktur, vermeidet unnötige Zusatzkosten und eröffnet Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr Wahlfreiheit bei der Umstellung auf klimaneutrale Wärme.“
Das Positionspapier betont darüber hinaus die Rolle von Biomethan im Verkehrssektor. Flüssiges und verdichtetes Biomethan in Form von Bio-LNG und Bio-CNG kann insbesondere im Schwerlastverkehr kurzfristig zur Emissionsminderung beitragen. Für einen breitenwirksamen Hochlauf fordert die Initiative unter anderem eine steuerliche Begünstigung und eine vollständige Anrechnung auf CO2-Flottengrenzwerte.
„Bei einem stringenten Markthochlauf sind zusätzliche Mengen zügig verfügbar“, so Bergt. „Bestehende Infrastruktur erhält eine Zukunftsperspektive und Wasserstoff wird sinnvoll ergänzt. Die Jahre bis 2030 entscheiden darüber, ob dieses Potenzial in Deutschland gehoben werden kann oder ob es durch fehlende Planungssicherheit ungenutzt bleibt.“





