Biomethan Taskforce fordert nationale Biomethan-Strategie für Deutschland

Biogasanlage mit Biomethanaufbereitung
Copyright: Peter Eichler / DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT
23.06.2026

Deutsch­land braucht eine na­ti­o­na­le Bio­methan-Stra­te­gie. Nur mit kla­ren Aus­bau­zie­len, ver­läss­li­chen In­ves­ti­ti­ons­be­din­gun­gen und ge­si­cher­ten Ab­satz­märk­ten kann Bio­methan vom Ni­schen­markt zu einer tra­gen­den Säu­le der Ener­gie­wen­de wer­den. Das for­dert die Bio­methan Taskforce in ih­rem Po­si­ti­ons­pa­pier. Die Ini­ti­a­ti­ve zeigt da­rin, wel­che re­gu­la­to­ri­schen Wei­chen jetzt ge­stellt wer­den müs­sen – vom Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz über das Er­neu­er­ba­re-Ener­gien-Ge­setz bis zum Ge­bäu­de­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz.

Bio­methan kann sich zu ei­nem zen­tra­len er­neu­er­ba­ren Mo­le­kül für eine be­zahl­ba­re und so­zi­al­ver­träg­li­che De­fos­si­li­sie­rung ent­wi­ckeln – im Ge­bäu­de­sek­tor, in der In­dus­trie, bei Kraft­wer­ken und im Schwer­last­ver­kehr. Da­mit das er­neu­er­ba­re Gas die­se Rol­le im Ener­gie­sys­tem über­neh­men kann, brau­chen Be­trei­ber von Bio­methan-An­la­gen, Netz­be­trei­ber und Ab­neh­mer je­doch Pla­nungs­si­cher­heit. Das zeigt das ak­tu­el­le Po­si­ti­ons­pa­pier der Bio­methan Taskforce, mit dem die Ini­ti­a­ti­ve pra­xis­na­he Rah­men­be­din­gun­gen für den Markt­hoch­lauf von Bio­methan skiz­ziert.

Bei maß­geb­li­chen Ge­set­zes­vor­ha­ben – da­run­ter das Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz (EnWG), das Er­neu­er­ba­re-Ener­gien-Ge­setz (EEG) und das Ge­bäu­de­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz (GModG) – sieht die Ini­ti­a­ti­ve Raum für Wei­chen­stel­lun­gen, um Bio­methan in re­le­van­ten Sek­to­ren zu­gäng­lich zu ma­chen und so­mit die Ener­gie­wen­de schnel­ler, re­si­lien­ter und be­zahl­ba­rer zu ge­stal­ten.

Im Zu­ge der Um­set­zung des EU-Gas­bin­nen­markt­pa­ke­tes for­dert die Ini­ti­a­ti­ve in­ves­ti­ti­ons­freund­li­che Amor­ti­sa­ti­ons­fris­ten von 20 Jah­ren für den An­schluss von Bio­methan-An­la­gen so­wie den Er­halt von Be­stands­an­la­gen. Zu­gleich wird ein Trans­for­ma­ti­ons- und Aus­gleichs­me­cha­nis­mus für Netz­be­trei­ber be­nö­tigt, da­mit stra­te­gisch re­le­van­te Bio­methan-In­fra­struk­tur er­hal­ten wer­den kann, ohne Trans­for­ma­ti­ons­kos­ten ein­sei­tig bei ein­zel­nen Ak­teu­ren ab­zu­la­den. Zu­dem spricht sich die Bio­methan Taskforce für eine na­ti­o­na­le Aus­bau­stra­te­gie aus. „Ge­ra­de in der frü­hen Pha­se des Markt­hoch­lau­fes braucht Bio­methan kla­re Re­geln, ver­läss­li­che In­fra­struk­tur­per­spek­ti­ven und ein am­bi­ti­o­nier­tes Aus­bau­ziel“, sagt Bengt Bergt, Spre­cher der Bio­methan Taskforce. „Um Bio­methan zu stär­ken, müs­sen wir In­ves­ti­ti­ons­si­cher­heit für An­la­gen­be­trei­ber und fai­re Trans­for­ma­ti­ons­be­din­gun­gen für Netz­be­trei­ber zu­sam­men­den­ken. Nur so kann kli­ma­neu­tra­le Gas-In­fra­struk­tur er­hal­ten und der Hoch­lauf er­neu­er­ba­rer Mo­le­kü­le be­schleu­nigt wer­den.“

Mit Blick auf das EEG for­dert die Ini­ti­a­ti­ve hö­he­re Aus­schrei­bungs­vo­lu­mi­na und ver­bes­ser­te Fle­xi­bi­li­täts­zu­schlä­ge für Bio­methan. Ziel ist, An­rei­ze für pri­va­te In­ves­ti­ti­o­nen in An­la­gen, In­fra­struk­tur und fle­xib­le er­neu­er­ba­re Kraft­werks­leis­tung zu set­zen. Das Po­si­ti­ons­pa­pier ver­weist da­rauf, dass die hei­mi­sche Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät von der­zeit 10 TWh bis 2045 auf bis zu 331 TWh er­höht wer­den kann. Ge­si­cher­te Ab­satz­märk­te sind da­für ent­schei­dend. So sieht die Bio­methan Taskforce im Ge­bäu­de­sek­tor er­heb­li­chen Hand­lungs­be­darf: Das ge­plan­te Ge­bäu­de­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz soll Bio­methan da­zu als gleich­be­rech­tig­te De­fos­si­li­sie­rungs­lö­sung ne­ben Wär­me­pum­pen und Fern­wär­me be­han­deln.

Da­ne­ben wür­de eine Grün­gas­quo­te da­bei hel­fen, ei­nen ver­läss­li­chen Nach­fra­ge­pfad für er­neu­er­ba­re Ga­se zu schaf­fen und In­ves­ti­ti­o­nen in zu­sätz­li­che Bio­methan-An­la­gen an­zu­rei­zen. „Eine ein­sei­ti­ge Elek­tri­fi­zie­rung des Wär­me­mark­tes wä­re wirt­schaft­lich ris­kant und so­zi­al be­las­tend“, so Bergt. „Bio­methan er­mög­licht eine prag­­ma­ti­sche De­kar­bo­ni­sie­rung für Mil­li­o­nen Haus­hal­te, die heu­te noch mit Gas hei­zen und ab­seh­bar nicht elek­tri­fi­zie­ren kön­nen. Nach un­se­ren Be­rech­nun­gen wer­den auch 2045 noch et­wa 5 Mil­li­o­nen Gas-Brenn­wert­ge­rä­te im Ein­satz sein. Bio­methan nutzt be­ste­hen­de In­fra­struk­tur, ver­mei­det un­nö­ti­ge Zu­satz­kos­ten und er­öff­net Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­chern mehr Wahl­frei­heit bei der Um­stel­lung auf kli­ma­neu­tra­le Wär­me.“

Das Po­si­ti­ons­pa­pier be­tont da­rü­ber hi­naus die Rol­le von Bio­methan im Ver­kehrs­sek­tor. Flüs­si­ges und ver­dich­te­tes Bio­methan in Form von Bio-LNG und Bio-CNG kann ins­be­son­de­re im Schwer­last­ver­kehr kurz­fris­tig zur Emis­si­ons­min­de­rung bei­tra­gen. Für einen brei­ten­wirk­sa­men Hoch­lauf for­dert die Ini­ti­a­ti­ve un­ter an­de­rem eine steu­er­li­che Be­güns­ti­gung und eine voll­stän­di­ge An­rech­nung auf CO2-Flot­ten­grenz­wer­te.

„Bei einem strin­gen­ten Markt­hoch­lauf sind zu­sätz­li­che Men­gen zü­gig ver­füg­bar“, so Bergt. „Be­ste­hen­de In­fra­struk­tur er­hält eine Zu­kunfts­per­spek­ti­ve und Was­ser­stoff wird sinn­voll er­gänzt. Die Jah­re bis 2030 ent­schei­den da­rü­ber, ob die­ses Po­ten­zi­al in Deutsch­land ge­ho­ben wer­den kann oder ob es durch feh­len­de Pla­nungs­si­cher­heit un­ge­nutzt bleibt.“

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